Wenn es wieder “Ping” macht - das Phänomen Snapchat

Stephan, 14.07.2016

Ein “Ping” oder Vibrieren genügt, und schon greifen Jugendliche zum stets griffbereiten Smartphone. Das ist heute Alltag in vielen deutschen Familien. Doch inzwischen müssen das keine neuen Nachrichten per WhatsApp oder Facebook sein. Viel wahrscheinlicher ist da gerade ein neuer “Snap” eingetroffen, der unbedingt betrachtet werden muss.

Snapchat gehört zu den Programmen in den App-Stores von Apple und +++=PGEgaHJlZj0iaHR0cHM6Ly9wbGF5Lmdvb2dsZS5jb20vc3RvcmUvYXBwcy9kZXRhaWxzP2lkPWNvbS5zbmFwY2hhdC5hbmRyb2lkJmFtcDtobD1kZSI+R29vZ2xlPC9hPg===+++, die aktuell den stärksten Zulauf haben. Und Eile beim Betrachten der neuen Mitteilung ist durchaus geboten, denn Snaps sind flüchtig und verschwinden schnell wieder im Nirwana des Internets.

Ein soziales Netzwerk der besonderen Art

SnapschatSnapchat ist auf den ersten Blick nichts anderes, als ein weiteres soziales Netzwerk mit der Option, Kurznachrichten zu versenden. Das erklärt indes kaum den Reiz, den es gerade auf junge Leute ausübt. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte der Nutzer von Snapchat zwischen 16 und 24 Jahre alt sind.

Die Mitteilungen innerhalb des Netzwerks, die Snaps, sind kurze Videobotschaften mit einer Länge zwischen einer und zehn Sekunden Dauer. Ein Snap kann zeigen, wie man sich fühlt, was man gerade tut. Oder auch mit wem man sich in diesem Moment gerade trifft.

Snaps lassen sich direkt an Freunde versenden. In dieser Hinsicht gleicht Snapchat dann anderen Mitteilungsdiensten. Oder der Snap landet in der “Story” des Nutzers. Alle in der Story gesammelten Snaps ergäben eine Art von Videotagebuch. Wenn es sich denn chronologisch betrachten ließe. Allerdings ist auch das eingeschränkt, denn jeder Beitrag ist in der Story nur 24 Stunden sichtbar. In den Einstellungen legt der Nutzer fest, ob nur Freunde die Story betrachten dürfen oder alle Mitglieder von Snapchat.

Snapchat - ein schnelles und flüchtiges Medium

Snapchat ist auf Geschwindigkeit ausgelegt. Ein Foto oder Videoclip ist schnell gemacht. Filter und Beschriftungen können mit einfacher Wischgesten hinzugefügt werden. Binnen Sekunden wird der Beitrag dann versendet. Das Visuelle dominiert App und Dienst. Die Profilseite eines jeden Nutzer umfasst nur rudimentäre Informationen. Zentrales Element ist dagegen das große Icon mit dem weißen Geist. Und wer dieses Element mit der geöffneten App anvisiert, kann den Nutzern mit einem Fingertipp in seine Freundesliste aufnehmen. Allerdings muss dieser die Anfrage dann auch bestätigen, damit der direkte Nachrichtenversand möglich wird.

Der Geist als Symbol für den Dienst ist gut gewählt. Denn Snaps sind flüchtig. Nicht nur, dass sich die Postings der eigenen Story nach 24 Stunden sprichwörtlich in Luft auflösen. Auch erhaltene Snaps können nicht einfach abgespeichert werden. Die einzige Möglichkeit, einen Snap zu konservieren, ist, ein Bildschirmfoto davon zu machen. Doch das registriert die App und teilt es dem Absender mit.

Direkte Kommunikation untereinander - der Schlüssel zum Erfolg

Starke visuelle Elemente, Geschwindigkeit und Flüchtigkeit der Inhalte. Der Reiz der Vergänglichkeit trägt zum Erfolg von Snapchat bei. Die Betreiber halten sich bei der Veröffentlichung von Nutzerzahlen zurück. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland um die 3,25 Millionen Mitglieder Snapchat aktiv nutzen. Weltweit sollen es inzwischen mehr als 100 Millionen sein.

Anders als Facebook, wo in der Chronik wichtige Ereignisse präsentiert und konserviert werden, dient Snapchat der schnellen Kommunikation zwischen Freunden. Ein Nutzer von Snapchat hält seinen eigenen Sender in Hand und kann darüber verbreiten, wonach ihm der Sinn steht. Die Flüchtigkeit des Dienstes verspricht Spaß ohne Reue. Kein Lehrer, kein Erwachsener und auch kein Personalberater können gezielt auf die Suche nach Inhalten gehen und dabei vielleicht peinliche Fotos oder Videos entdecken. Und so nutzen die Jugendlichen Snapchat, um untereinander auf schnelle und visuelle Art zu kommunizieren. Snapchat ist prädestiniert dafür, Quatsch zu machen, Spaß zu haben und sich zu präsentieren.

Nur die wenigsten Nutzer werden sich die Mühe gemacht haben, die Bedingungen des Dienstes im Detail zu studieren. Denn darin behalten sich die Betreiber dann doch vor, die von den Mitgliedern hochgeladenen Inhalte unbegrenzt zu speichern und zu verwenden. Zwar verschwinden die Snaps aus der Öffentlichkeit, aber ob und wann sie auch von den Servern des Dienstes verschwinden, weiß niemand. Deswegen sollte mit dem hochgeladenen Material nicht allzu sorglos umgegangen werden. Ein Aspekt über den Eltern mit ihren Kindern auf jeden Fall einmal reden sollten. Vielleicht in der Pause zwischen zwei Snaps?

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