3D-Drucker halten Einzug ins Kinderzimmer

Simona, 29.07.2016

Die Erfindung von 3D-Druckern gilt allgemein als eine technologische Revolution, deren Folgen in Industrie und Wirtschaft noch nicht abzusehen ist. Nun halten 3D-Drucker auch Einzug in die Kinderzimmer.

Wer hat als Kind nicht Alltagsgegenstände in der Fantasie zu etwas völlig anderem gemacht? Der Kochlöffel verwandelte sich in einen Zauberstab oder ein scharfes Schwert. Damit konnten dann Piraten bekämpft und Prinzessinnen befreit werden, bis er wiederum zu einem Mikrofon wurde. Kinder und Jugendliche können heute ihre Fantasien sprichwörtlich in Form bringen, da 3D-Drucker immer erschwinglicher werden.

In Industrie und Medizintechnik versprechen 3D-Drucker völlig neue Möglichkeiten. Vielleicht wird Prothetik in naher Zukunft binnen weniger Minuten produziert werden können. Oder in Werkstätten müssen Mechatroniker nicht mehr auf ein Ersatzteil warten, sondern fertigen sie direkt vor Ort an.

Das Grundprinzip ist bei allen 3D-Druckern das gleiche. Aus einen flüssigen Werkstoff, der aus einer oder mehreren Düsen gespritzt wird, entsteht schichtweise ein dreidimensionales Objekt. Waren die ersten 3D-Drucker sündhaft teuer und lediglich in der Lage, kleinste Objekte zu gestalten, werden die Geräte immer preiswerter und die entstehenden Objekte größer. Und damit wird die Technologie auch für Spielwarenhersteller interessanter.

Für die Kleineren - 3D-Stifte

Bevor eine Fantasiefigur dem Drucker entnommen werden kann, muss sie erst mit einer App oder einem PC-Programm gezeichnet werden. Das ist für jüngere Kinder anspruchsvoll und noch dazu eine Geduldsprobe. 3D-Stifte wie von Giochi Preziosi hingegen sind kleinere Geräte, die den Spezialkunststoff im Inneren zum Schmelzen bringen. Es wird wie ein Stift geführt und ist klein genug, um in Kinderhände zu passen. Da das Material sich an der Luft augenblicklich verfestigt, malen Kinder ab 8 Jahren damit frei im Raum und erstellen somit eigene Objekte und Formen. In einem Erweiterungspaket liegen kleine Schablonen bei, die mit dem flüssigen Werkstoff nur gefüllt werden müssen. So gelingen Grundformen deutlich schneller. Starter-Sets gibt es bereits zu einem Preis um die 20 Euro.

 

Fischertechnik - 3D-Drucker selber bauen

Dieser 3D-Drucker wäre nicht von Fischertechnik, wenn es sich nicht um einen Bausatz handeln würde. Er entsteht erst aus den bekannten Bauteilen des Herstellers. Der durchaus anspruchsvolle Bausatz macht die hinter dem Drucker stehende Technik unmittelbar erlebbar. Am Ende steht dann ein voll funktionsfähiger Drucker für 3D-Objekte. Dazu wurde eine passende Software produziert, die auf aktuellen Windows-Rechnern läuft. Rund 660 Euro kostet der Bausatz, der sich an Jugendliche und Erwachsene wendet, die auch die Gefahren beim 3D-Druck einschätzen können, aber auch das technische Verständnis für die Verbindungen der Teile und Elektronik mitbringen.

Doodle 3D - kindgerechte App für alle 3D-Drucker

Einen völlig anderen Ansatz nutzt Doodle 3D. Es besteht aus einer kleinen Box, die mit einem bereits im Haushalt vorhandenen 3D-Drucker verbunden wird und sich per WLAN im hausinternen Netzwerk anmeldet. Zur Box wird über ein Tablet oder einen Computer eine Verbindung hergestellt. Direkt im Browser können Kinder im Vorschul- und Schulalter dann ganz ihrer Kreativität freien Lauf lassen und einfach drauflos malen. Der Clou an Doodle 3D ist die Umwandlung der gezeichneten zweidimensionalen Zeichnungen in dreidimensionale Objekte, die dann an den Drucker geleitet werden.

Thingmaker von Mattel - App und Drucker im Set

Es wird wohl nur Insidern bekannt sein, dass Mattel bereit in den 60er Jahren ein Gerät für Kinder entwickelte, mit dem sich eigenes Spielzeug herstellen ließ. Im “Vac-U-Form Playset” musste allerdings Plastik zum Schmelzen gebracht werden. Zweifelhaft, ob dieses Spielzeug heute durch die strengen Sicherheitsüberprüfungen den Weg in die Kinderzimmer gefunden hätte.

Mit dem Thingmaker startet das Traditionsunternehmen jetzt einen weiteren Versuch. Der eigentliche “Thingmaker” ist ein 3D-Drucker, der seine Arbeit sicher vor neugierigen Kinderhänden hinter einer Glasscheibe verrichtet. Ist im Haushalt bereits ein 3D-Drucker vorhanden, kann dieser weitergenutzt werden, was aber eher umständlich ist. Einfacher geht es mit dem passenden Thingmaker.

Das Design des Spielzeugs wird in der Thingmaker-App entwickelt. Die kann kostenlos für Android und iOS aus den App-Stores geladen werden und läuft sogar auf einem Smartphone. Die App stellt eine ganze Palette an Fantasiefiguren und Gegenständen als Vorlagen bereit. Über die kindgerecht gestaltete Oberfläche sind Farben und Texturen schnell geändert. Das Besondere bei den fertigen Bauteilen ist ein Klick-Mechanismus, über den die Elemente dann zur Figur zusammengesteckt werden. Auf die Dauer wird das Ausdrucken bereits vorgefertigter Figuren langweilig. Deshalb bietet die App auch die Möglichkeit, Schritt für Schritt einen völlig freien Entwurf zusammenzustellen.

Wie aus einem LEGO-Baukasten bedienen sich die jungen Designer an den vorhandenen Elementen und ziehen diese auf die Arbeitsfläche. Falsch machen kann man hier nichts. Sobald ein Bauteil in die Nähe eines anderen gezogen wird, stellt die App ganz automatisch eine Verbindung her und richtet das Element passend aus. Der Entwurf kann jederzeit um die eigene Achse gedreht und aus jedem Blickwinkel betrachtet werden.

Das wirkt nicht ohne Grund extrem professionell. Denn Mattel hat sich nicht in das Abenteuer gestürzt, und völlig selbstständig eine Software entwickelt. Die App wurde in Kooperation mit Autodesk programmiert. Das Softwareunternehmen besitzt bereits seit den 80er Jahren Erfahrungen in der Entwicklung und Gestaltung von Programmen zur Konstruktion am Computer und gilt als Industriestandard.

Reibungslos arbeitet die App natürlich mit dem Thingmaker-Drucker zusammen. Mit einem Fingertipp werden die Druckdaten aufbereitet. Anschließend zeigt das Programm eine Übersicht der zu druckenden Teile, berechnet die Menge an Material (Filament), das benötigt wird. Und zeigt die Zeit an, die voraussichtlich vergehen wird, bis das ersehnte Stück aus dem Drucker genommen werden kann.

Ob Vorschulkind oder Jungerwachsener - der 3D-Druck regt Kreativität und Fantasie an und weckt technisches Verständnis. Und Spaß macht das Ganze auch noch.

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